Guide · Marcel Steiert

Deine erste KI-Abteilung: meine Vorlage

Du erklärst der KI nicht mehr jeden Handgriff. Du gibst jeder Aufgabe eine eigene Abteilung mit einem klaren Ziel und einer Abnahme, an der sie ihre Arbeit selbst prüft. Du schaust erst drauf, wenn etwas fertig ist.

Hier bekommst du die Vorlage, mit der du so eine Abteilung in zehn Minuten aufsetzt, die Anleitung für claude.ai und für Claude Code und meine eigenen drei Abteilungen als Beispiel.

Was der Entwickler von Claude Code anders macht

Boris Cherny hat Claude Code bei Anthropic gebaut und leitet es heute. Im Januar 2026 schrieb er auf X, dass bei ihm seit über zwei Monaten 100 Prozent des Codes von Claude kommen: „I don't even make small edits by hand.“ Er tippt also nicht einmal mehr kleine Korrekturen selbst.

Stattdessen lässt er nach eigener Beschreibung fünf Claude-Instanzen gleichzeitig in seinem Terminal laufen, jede in einem eigenen Tab an einer eigenen Aufgabe. Er lässt zuerst einen Plan machen, gibt ihn frei und prüft, was zurückkommt. Sitzungen, die ins Leere laufen, wirft er weg.

Im Reel sage ich „keinen Code“, nicht „keine Prompts“. Die Behauptung, er schreibe gar keine Prompts mehr, kursiert zwar, ließ sich aber nicht belegen. Er schreibt sehr wohl Aufträge, nur eben keine Handgriffe mehr.

Quellen: Fortune, 29. Januar 2026 (Zitat aus seinem X-Beitrag an Andrej Karpathy); The Pragmatic Engineer, „Building Claude Code with Boris Cherny“; Slashdot, 6. Januar 2026. Stand: Oktober 2026.

Das Prinzip in drei Teilen

Für dich als Unternehmer ist daran nicht die Technik spannend, sondern die Haltung. Du kennst sie aus der Führung: Du sagst deinen Leuten nicht, welche Taste sie drücken sollen, sondern was am Ende rauskommen muss.

Eine Abteilung pro Aufgabe. Ein Agent, der Ideen sucht, Skripte schreibt und Rechnungen prüft, macht alles halb. Jede Abteilung bekommt genau eine wiederkehrende Aufgabe.
Ein Ziel statt einer Anleitung. Du beschreibst das fertige Ergebnis, für wen es ist und wofür. Den Weg dorthin wählt die Abteilung selbst.
Eine Abnahme vor der Übergabe. Fünf bis acht Punkte, die man mit Ja oder Nein beantworten kann. Die Abteilung prüft ihre Arbeit selbst daran, bevor sie bei dir landet.

Die Vorlage: Steckbrief einer Abteilung

Kopier sie und ersetz die Teile in eckigen Klammern. Der Steckbrief ist derselbe, egal ob du ihn in ein Projekt auf claude.ai oder in einen Agenten in Claude Code packst.

Vorlage: Steckbrief einer KI-Abteilung
ABTEILUNG
Name: [kurzer Name, z. B. Angebote]
Du bist zuständig für genau eine Aufgabe: [die Aufgabe in einem Satz]
Für alles andere bist du nicht zuständig. Kommt etwas anderes, sag mir das, statt es selbst zu erledigen.

ZIEL
Am Ende liegt das hier auf dem Tisch: [das fertige Ergebnis in zwei bis drei Sätzen: was es ist, für wen, wofür]
Warum das wichtig ist: [ein Satz Hintergrund]
Material: [was ich dir mitgebe oder wo es liegt]

GRENZEN
- Du erfindest keine Zahlen, Namen oder Fakten. Fehlt etwas, markierst du die Stelle mit [FEHLT: was genau] und machst weiter.
- Du schickst nichts ab, veröffentlichst nichts und löschst nichts. Das entscheide ich.
- [eigene Grenze, z. B. keine Rabatte über 10 Prozent]

ABNAHME
Deine Arbeit ist erst fertig, wenn jeder dieser Punkte mit Ja beantwortet ist:
1. [prüfbarer Punkt]
2. [prüfbarer Punkt]
3. [prüfbarer Punkt]
4. [prüfbarer Punkt]
5. [prüfbarer Punkt]

ARBEITSWEISE
1. Den Weg zum Ziel wählst du selbst. Frag nur nach, wenn du ohne die Antwort nicht weiterkommst.
2. Prüf deinen Entwurf Punkt für Punkt gegen die Abnahme: Ja oder Nein, mit einem Satz Begründung, der auf eine konkrete Stelle zeigt.
3. Bei jedem Nein bessert du genau diese Stelle nach und prüfst danach die ganze Liste noch einmal. Höchstens drei Runden.

ÜBERGABE
Gib mir am Ende:
- das fertige Ergebnis
- darunter das Abnahme-Protokoll der letzten Runde (Punkt, Ja oder Nein, Begründung)
- falls nach drei Runden noch ein Nein übrig ist: welcher Punkt und warum

So setzt du deine erste Abteilung auf

  1. Die richtige erste Aufgabe wählen

    Nimm keine Aufgabe, die einmal im Jahr vorkommt, sondern eine, die jede Woche wiederkommt und bei der du heute am meisten nachbesserst: Angebote, Kundenmails, Stellenanzeigen, Protokolle, Social-Media-Texte. Wenn du unsicher bist, lass dir helfen:

    Prompt: Welche Abteilung zuerst?
    Ich bin [deine Rolle] in einem Unternehmen mit [Branche, Größe]. Diese Aufgaben erledige ich jede Woche selbst oder gebe sie per Prompt an die KI:
    [Liste deiner Aufgaben, je eine Zeile]
    
    Schlag mir die eine Aufgabe vor, die sich als erste KI-Abteilung am meisten lohnt. Kriterien: kommt mindestens wöchentlich vor, das Ergebnis lässt sich mit Ja-Nein-Punkten prüfen, ein Fehler richtet keinen großen Schaden an, bevor ich ihn sehe.
    Begründe deine Wahl in drei Sätzen und nenn mir fünf Abnahme-Punkte, die du dafür vorschlagen würdest.
  2. Die Abnahme schreiben

    Das ist der wichtigste Teil des Steckbriefs. Ein Punkt taugt nur, wenn man ihn eindeutig abhaken kann. „Professionell formuliert“ kann sich jede KI selbst bescheinigen. „Kein Satz länger als 20 Wörter“ nicht.

    Schwach: Ist überzeugend. Klingt gut. Passt zum Kunden.
    Stark: Nennt den Preis netto und brutto. Jede Leistung aus der Anfrage taucht auf. Durchgehend Sie-Anrede. Höchstens eine Seite. Endet mit genau einem nächsten Schritt.

    Fünf bis acht Punkte reichen. Wenn du dieselbe Korrektur zum zweiten Mal machst, gehört sie als neuer Punkt in die Abnahme.

  3. Variante A: als Projekt auf claude.ai

    Ohne Technik und für die meisten der richtige Start. Leg auf claude.ai ein neues Projekt an, benenn es nach der Abteilung und füg den ausgefüllten Steckbrief in die Projekt-Anweisungen (Instructions) ein. Feste Unterlagen wie Preisliste oder Beispieltexte lädst du als Dateien ins Projekt.

    Ab dann öffnest du für jeden Auftrag einen neuen Chat in diesem Projekt und schreibst nur noch das Material dazu, zum Beispiel die Kundenanfrage. Ziel, Grenzen und Abnahme musst du nie wieder erklären. Jede weitere Abteilung ist ein weiteres Projekt.

  4. Variante B: als Agent in Claude Code

    Arbeitest du mit Claude Code, wird jede Abteilung eine eigene Datei. Agenten für alle deine Projekte liegen im Ordner ~/.claude/agents/, Agenten nur für ein Projekt in .claude/agents/ im Projektordner. Jede Datei hat oben einen kurzen Kopf mit Name und Zuständigkeit, darunter steht dein Steckbrief:

    Datei: ~/.claude/agents/angebote.md
    ---
    name: angebote
    description: Schreibt Angebote aus Kundenanfragen im Format der Firma. Einsetzen, sobald eine Anfrage in ein Angebot verwandelt werden soll.
    tools: Read, Write, Glob, Grep
    ---
    
    [hier den ausgefüllten Steckbrief einfügen]

    Die Zeile description ist wichtig: Daran erkennt Claude, wann er die Arbeit an diese Abteilung abgeben soll. Mit tools legst du fest, was die Abteilung darf. Eine Abteilung, die nur liest und schreibt, braucht zum Beispiel keinen Zugriff auf die Kommandozeile.

    Du musst die Datei nicht selbst anlegen. Dieser Auftrag reicht:

    Prompt für Claude Code
    Leg mir in ~/.claude/agents/ einen neuen Agenten an. Nimm als Inhalt genau diesen Steckbrief und schreib eine description, an der man klar erkennt, wann dieser Agent zuständig ist. Gib ihm nur die Werkzeuge, die er für seine Aufgabe braucht, und sag mir, welche du gewählt hast und warum.
    
    [ausgefüllter Steckbrief]
  5. Erst eine, dann die nächste

    Lass die erste Abteilung zwei Wochen laufen und schärf ihre Abnahme nach. Erst wenn du ihre Ergebnisse nur noch liest statt umschreibst, baust du die zweite. Danach kannst du mehrere gleichzeitig arbeiten lassen: auf claude.ai in mehreren Projekten nebeneinander, in Claude Code in mehreren Fenstern oder indem du Claude bittest, zwei Aufträge parallel an zwei Agenten zu geben.


So sieht das bei mir aus

Meine Inhalte laufen über drei Abteilungen, jede mit genau einer Aufgabe. Hier gekürzt, was jede tun soll und woran sie ihre Arbeit prüft:

Ideen-Sucher. Sucht Reels, die bei meinen Vorbildern deutlich besser laufen als üblich, und legt mir pro Treffer eine Ideen-Karte ab. Abnahme unter anderem: höchstens fünf Ideen pro Lauf, ein festes Kostenlimit pro Tag, nur echte Ausreißer.
Skript-Agent. Macht aus einer Idee ein Reel-Skript. Abnahme unter anderem: jede Zahl und jedes Tool ist belegt, sonst fliegt es raus; durchgehend du; kein Versprechen, das ich danach nicht einlösen kann.
Guide-Builder. Baut zu jedem Reel die passende Seite, so wie diese hier. Abnahme unter anderem: jede Behauptung aus dem Skript wird vorher geprüft, die Seite hält genau das, was das Video verspricht, und nach der Veröffentlichung wird der Inhalt der Live-Seite noch einmal kontrolliert.

Ich schaue nur noch drauf, bevor etwas rausgeht. Das letzte Wort habe ich, das Nachbessern nicht mehr.


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